KERNWERK Erfahrungsbericht und Test (RAW Workout)

KERNWERKPersönlicher Erfahrungsbericht des neuen Functional Training Systems KERNWERK als Alternative zu den gängigen Platzhirschen: Was leistet das Trainings-System und was sind die Unterschiede zu anderen Anbietern, wie Freeletics BodyweightFreeletics Gym, Goliaz und Madbarz?

  • Was leistet das Trainingssystem im Dauertest?
  • Wie schlagen sich die neuen Apps für iOS und Android?
  • Was kostet es und: Lohnt es sich?

Kurze Info: Früher lief das Trainingsprogramm KERNWERK noch unter dem Namen RAW Workout.

Was ist KERNWERK?

„KERNWERK – digital personal training“ bietet einen Trainingsplan und Workouts im Sinne des Functional Trainings. Es richtet sich gleichermaßen an Anfänger auf jedem Fitness-Level sowie an fortgeschrittene Sportler, z.B aus anderen Sportarten wie Leichtathletik, Freeletics oder CrossFit. KERNWERK liefert täglich ein personalisiertes Workout, das auf die persönliche Leistung zugeschnitten ist. Die Workouts unterliegen einer langfristigen, zyklischen Trainingsplanung, die dynamisch auf Pausen und Veränderungen reagiert. Konkret bedeutet das: Als Trainierender erhalte ich jeden Tag ein Workout, bei dem jede Wiederholung, jedes Gewicht und jedes genau auf mich zugeschnitten ist. Dazu sagt das KERNWERK-Team in dem produzierten Promo-Trailer folgendes:

Bei den Workouts bei KERNWERK handelt es sich um sogenannte HIT-Workouts. HIT steht dabei für High Intensity Training und sagt, dass die Workouts kurz und intensiv sind. In der Regel sind die Workouts daher in 20-40 Minuten absolviert. Zusätzlich sollte man ungefähr 20 Minuten für Aufwärmen und Abwärmen vor und nach dem Training einplanen.

Um nicht nur den Text der Website zu zitieren, nutze ich an dieser Stelle eine ziemlich bekannte Definition:

Permanent variierende,
funktionale Bewegungen,
ausgeführt bei hoher Intensität.

Eigentlich ist das die kurze Definition von CrossFit. Die Macher von KERNWERK kommen nach eigenen Angaben aus der CrossFit-Ecke und das merkt man dem Programm (im Positiven) deutlich an. Daher kann man guten Gewissens sagen, diese Definition treffe auch auf KERNWERK zu.

Das KERNWERK-Konzept:

  • Du bekommst einen Trainingsplan, der sich automatisch anpasst. In deinem Trainingslan bekommst du jeden Tag einen Vorschlag, welche Trainingseinheit für dich ansteht (Workout, Pause, Skill, Aktive Regeneration, etc.). Das ist aber nur ein Vorschlag – du kannst aber jederzeit entscheiden, was du wirklich tun willst.
  • Du bekommst für jeden Tag ein neues, persönliches Workout. Das Workout ist jeden Tag anders – es gibt keine Dopplungen. Es werden Kraft, Koordinations und Ausdauerübung in sinnvollen Variationen gebracht und zu einem passenden, intensiven Workout kombiniert.
  • Jedes Workout setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Der erste Teil bedient meist das Kraft- oder Technik-Training. Der zweite Teil ist das, was die meisten Leute unter einem Workout verstehen. Hier geht es dann meistens ziemlich auf die Kondition, z.b. in einer Art Zirkeltraining.
  • Jede Übung im Workout wird durch den Skalierungsbaum auf deine persönliche Leistung angepasst. Diese Herangehensweise mit dem Skalierungsbaum ist ziemlich gut und ein ganz neuer Ansatz.
  • Du kannst mit Equipment trainieren oder Bodyweight-Training machen: Du kannst in deinem Profil angeben, welche Geräte, welche Gewichte und welche Möglichkeiten du zur Verfügung hast. Und du kannst diese Einstellung vor jedem Training neu setzen. Der Algorithmus von KERNWERK baut dir basierend auf deinen Angaben das perfekte Workout für deine Ziele für dich zusammen.

Zusammengefasst: Du meldest dich an und schaust was heute ansteht. Und dann trainierst du drauf los. Den Rest übernimmt der Coach von KERNWERK für dich.

Wichtig ist dabei, dass es sich nicht um eine zusammenhangslose Workouts handelt. Vielmehr handelt es sich um ein langfristiges Konzept zur sportlichen und körperlichen Entwicklung. Auf der Website wird das so formuliert:

RAW Workout Definition

Für mich persönlich ist das ein wichtiger Faktor. Ich möchte mit dem guten Gewissen trainieren, dass ein langfristiger Plan hinter meinen Workouts steht. Bisher habe ich das bei vielen Anbietern vermisst. Oft war die Workout-Abfolge fraglich oder die Belastung auf lange Zeit zu hoch. In meinem KERNWERK Test habe ich das Gefühl, dass die Planung im Großen und Ganzen stimmt.

KERNWERK Feed

Die Registrierung

Registrierung – Schritt 1: Ziele, Vorlieben und Ausrüstung

Die Registrierung kannst du direkt in der App (iOS oder Android) oder über die Website machen. Prinzipiell funktioniert die Registrierung überall gleich (Soweit ich es getestet habe).

KERNWERK Registrierung

Auf den ersten Seiten der Registrierung legst du die Grunddaten für dein Athleten-Konto fest:

  • Wie fit bist du Momentan?
  • Wie sind deine Körperdaten (Größe, Gewicht, Alter)?
  • Möchtest du mit oder ohne Geräte Trainieren? Wenn ja, welche Geräte mit welchen Gewichtsstufen besitzt du?
  • Wie sind deine Trainingsmöglichkeiten? Besitzt du z.B. eine Klimmzugstange, ein Springseil oder anderes Equipment?
  • Was sind deine Ziele? Möchtest du abnehmen, dich auspowern oder stärker werden?

Diese Dinge werden auf den ersten Seiten der Registrierung geklärt.

Registrierung – Schritt 2: Das erste Workout (Der Einstufungstest)

Das erste Workout ist der Einstufungstest. Diesen kannst du entweder auf der Website machen oder in der App.

KERNWERK Einstufungstest

Im Einstufungstest bekommt man vier Übungen ausgewählt. Jede Übung absolviert man zwei Minuten am Stück und zählt die Wiederholungen. Dazu gibt es einen Workout-Timer der mitläuft sowie die übliche „Abhaken“-Funktion für die einzelnen Übungen, wie man Sie z.B. auch von Freeletics kennt. Nach jeder Übung gönnt KERNWERK dem Teilnehmer eine Minute Pause – und die ist auch dringend nötig. Ich habe die Pause gleichzeitig genutzt, um die absolvierten Wiederholungen in die vorgesehenen Felder einzutragen. Das klappte in der App ganz gut.

Welche Übungen man im Test verordnet bekommt ist davon abhängig, wie „fit“ man sich selbst zuvor eingeschätzt hat. Ich habe in diesem Fall Air Squats, Situps, Pushups und Burpees bekommen. Das klingt vielleicht harmlos, wird aber sehr schnell sehr anstrengend.

Zugübungen wie Klimmzüge wurden leider nicht abgefragt, aber ich vermute, dass davon ausgegangen wird, dass viele Leute keine Klimmzugstange zu Hause haben. Das war vor einem Jahr bei mir auch schon so, hier könnte noch nachgebessert werden. Aber sei es drum – alles in allem passte das soweit.

Das Workout

Das Training – Schritt 1: Der heutige Trainingsplan

Ruft du den Bereich „Training“ auf, so bekommst du für jeden Tag eine Empfehlung, basierend auf deinem Trainingsplan. Diese Empfehlung ist zunächst einmal folgende Optionen:

  • Workout (meist verwendete Einheit)
  • Skill (Technik-Training)
  • Mobility (Beweglichkeits-Training)
  • Aktive Regeneration
  • Pause

Der Trainingsplan gibt dir also für jeden Tag eine konkrete Empfehlung. Diese Empfehlung basiert darauf, was man in den letzten Tagen und Wochen gemacht hast, und wie gut das funktioniert hat. Klickt man auf Workout starten, beginnt die heutige Einheit. Alternativ, kann man sich für eine andere Möglichkeit entscheidenden.

KERNWERK Übersicht

Hier könnte man auch noch etwas nachbessern: Die Einheits-Typen „Skill“ (Technik) und „Mobility“ (Beweglichkeit) sind bisher noch nicht vollständig fertig. Hier wird man ein wenig sich selbst überlassen. An dieser Stelle ist also etwas Eigeninitiative gefragt.

Das Training – Schritt 2: Das Warmup

Im Rahmen des Warmups (Aufwärmen) beschreibt der Coach Björn, wie man sich optimal auf das Training  vorbereitet. Aus meiner sportlichen Erfahrung weiß ich, dass das Aufwärmen extrem wichtig ist. Daher finde ich es gut, dass es ein sehr schönes Video dazu gibt. Noch schöner wäre, wenn es hier mehrere, verschiedene Videos zur Auswahl gäbe – das ist auch nach einem Jahr noch nicht der Fall. Ich denke aber immer noch, dass hier in Zukunft ein breiteres Spektrum zu finden sein wird. Angekündigt ist es bereits und inhaltlich ist das bisher vorhandene Video (so wie auch alle anderen Videos von KERNWERK) jedoch fachlich unglaublich gut.

KERNWERK Warmup

Tipp: Schaut auf dem Youtube-Channel von KERNWERK vorbei, der ist komplett kostenlos und bietet richtig gute Videos.

Das Training – Schritt 3: Workout-Vorbereitung & Vorschau

KERNWERK Erfahrungen

Im dritten Schritt folgt die Workout-Vorbereitung. Hier siehst du noch einmal alle Equipments, die du in seinem Profil aktiviert hast. Auf dieser Seite hast du vor dem Training noch einmal die Möglichkeit, Equipments abzuwählen. Das ist eine extrem schöne Funktion, denn wie oft kommt es einmal vor, dass man entweder nicht alles dabei hat oder vielleicht auch im Urlaub ist, und somit nicht z.B. auf sein Springseil zurück greifen kann? Ich habe diese Funktion im Laufe er letzten Monate immer wieder oft genutzt und halte Sie für grandios. Mehr Flexibilität geht praktisch nicht. Zumal das Workout wirklich immer neu und passend berechnet wird.

Klickt man hier auf weiter erhält man prompt die Workout-Vorschau. Hier siehst du nun, welches grandiose Leid im Workout auf dich zukommen wird ;-)

 

Das Training – Schritt 4: Übungscheck

Der letzte Schritt vor dem eigentlichen Workout ist der Übungs-Check. Dieser Übungs-Check ist aus meiner Sicht nichts besonderes. Es ist halt eine notwendige Sache, aber hier wurde das Rad nicht neu erfunden. Im Übungs-Check kannst du dir die Videos und Beschreibungstexte zu den einzelnen Übungen anschauen.  Leider sind noch nicht zu allen Übungen Video und Icons vorhanden – hier sollte das Team nachbessern. Da ich aber schon länger dabei bin weiß ich, dass jede Woche neue Videos dazu kommen.

Jene Videos, die vorhanden sind, sind dafür exzellent gemacht. Manchmal wirkt es etwas zu „authentisch“ und man merkt, dass es sich eben um Sport-Profis handelt, und nicht um Video-Profis. Trotzdem sind die Videos richtig gut und deutlich besser, als die glatt geschliffenen Alternativen von Freeletics oder Runtastic Results.

 

Das Training – Schritt 5: Workout

KERNWERK Workout

Der erste Teil des Trainings stellt das Kraft-Training dar, oder bildet eine Beweglichkeit-Einheit ab. Du wirst in beiden Fällen jedoch nachdrücklich ermahnt, dich an die Bewegungsausführung zu halten und Wert auf die Qualität zu legen. Das sieht man an verschiedensten Faktoren, z.B. dass es einen Modus gibt, der sich „For Quality“ nennt. Alles in allem merkt man in der gesamten Kommunikation, dass das KERNWERK-Team Wert auf die korrekte und saubere Übungsausführung legt und dass Bestzeiten nicht im Vordergrund stehen sollten.

Im zweiten Teil des Workouts wird dann ein klassisches HIT-Training absolviert. Das dauert in der Regel zwischen 8 und 30 Minuten (abhängig davon, wie lange Teil 1 angesetzt ist. In meinem Beispiel ist ein Workout im Modus „AMRAP 9“ zu absolvieren. Das bedeutet, dass ich so viele Runden wie möglich in 9 Minuten absolvieren soll. Da merkt man erst einmal, wie lange 9 Minuten sein können ;-)

Zusätzlich ist zu erwähnen, dass es für jeden Workout-Teil immer zwei verschiedene Ansichten gibt: Eine Normale Ansicht sowie eine Vereinfachte Ansicht. Erstere bietet die Möglichkeit, die Übungen eines Workouts Übung für Übung abzuhaken. Man wird also durch sein Workout geführt. Die Vereinfachte Ansicht hingegen bietet einfach nur eine Übersicht der Übungen und überlässt dem Sportler das Zählen der Übungen und Wiederholungen. Besonders bei Profis erfreut sich die vereinfachte Ansicht offensichtlich großer Beliebtheit – ich arbeite jedoch gerne mit der Standard-Ansicht.

 

Das Training – Schritt 6: Workout-Bewertung

Die Bewertung des Workouts ist bei KERNWERK ein absolut zentrales Element: Die Bewertung ist in jede einzelne Übung aufgeteilt und basierend auf diesem Feedback stellt sich das Algorithmus nach und nach auf dich ein.

Zusätzlich bewertet man die Qualität der Übungsausführung sowie die Anstrengung, die das gesamte Workout (gefühlt) produziert hat.

KERNWERK Bewertung

Alles in allem ist die Bewertungsseite sehr gelungen. Aber noch wichtiger: Da System mit den Bewertungen funktioniert! Denn zunächst waren meine Workouts noch nicht so gut auf mich abgestimmt, aber bereits nach wenigen Wochen war die Abstimmung schon ziemlich gut und nun, nach einem Jahr, ist das Wort „perfekt“ wirklich angebracht. Ich bin deswegen davon so begeistert, weil diese übungsspezifische Bewertung(und wahrscheinlich das Algorithmus dahinter) dazu führt, dass meine Workouts mit mir „mitgewachsen“ sind. Seit gut einem Jahr hatte ich immer anstrengende, aber schaffbare Workouts und habe mich sportlich immens weiterentwickelt. Für diese einzigartige Funktion: Hut ab! Aber mehr dazu später…

Vergleich mit anderen Anbietern/Systemen

Sorry Leute, aber als Techniker liebe ich Tabellen, da müsst ihr jetzt durch ;-)

Jedes System ist ein wenig anders und eine Übersicht der getesteten Systeme wollte ich mir im Rahmen dieses Artikels nicht nehmen lassen. Bitte bedenkt auch hier, dass es sich um meine subjektive Wahrnehmung handelt – ich habe mich jedoch mit jeder einzelnen Bewertung sehr auseinander gesetzt und mir daher größte Mühe zur Objektivität gegeben.

 KERNWERKFreeletics BodyweightFreeletics RunningFreeletics GymMadbarzGoliaz
Erscheinungsbildstylisch, sympatisch, teilweise unfertighochprofessionell, sehr hochwertig, sehr erprobthochprofessionell, hochwertig, teilweise Bugshochprofessionell, hochwertig, teilweise Bugsdurchschnittlich (Android App z.B. nicht gut)erscheint teilweise nicht so professionell, aber akzeptabel
Equipped TrainingSehr individuell, stark angepasst, jeden Tag neuEquipped Training nicht vorhandenEquipped Training nicht vorhandenStandard-Workouts & Ruder-WorkoutsEquipped Training nicht vorhandenEquipped Training nicht vorhanden
Running-WorkoutsIm Workout (siehe oben) & und spezielles LauftrainingRunning-Training nicht vorhandenNur definierte Standard-WorkoutsRunning-Training nicht vorhandenRunning-Training nicht vorhandenvorhanden, in Workouts integriert
Bodyweight-TrainingSehr individuell, stark angepasst, jeden Tag neuDefinierte Standard-WorkutsBodyweight-Training nicht vorhandenBodyweight-Training nicht vorhandenDefinierte Standard-WorkutsDefinierte Standard-Workuts
Skalierung/ IndividualisierungExtreme, autom. und manuelle Skalierung2x2 oder normal
Strength/ Normal/ Cardio
Definierte Standard-WorkoutsDefinierte Standard-Workouts, Gewichte als Korridor-AuswahlViel Flexibilität, man muss jedoch wissen was man machtDefinierte Standard-Workouts
Programming / TrainingsplanungAdaptiver Algorithmus + Coaches / ZyklenAdaptiver AlgorithmusAdaptiver AlgorithmusAdaptiver AlgorithmusProgramming praktisch nicht vorhandenAdaptiver Algorithmus
CoachingSpäter vorhanden, aktuell noch nichtAutomatisches Standard-ProgrammAutomatisches Standard-ProgrammAutomatisches Standard-ProgrammCoaching praktisch nicht vorhandenCoaching praktisch nicht vorhanden
CommunityZwar wachsend, aber noch sehr kleinRiesige CommunityGroße CommunityGroße CommunityGroße CommunityGroße Community
Ernährung / RezepteNicht vorhandenVorhanden, kann dazugebucht werden (Neu: Freeletics Nutrition App)Vorhanden, kann dazugebucht werden (Neu: Freeletics Nutrition App)Vorhanden, kann dazugebucht werden (Neu: Freeletics Nutrition App)Vorhanden, kann dazugebucht werdenNicht vorhanden
SupportExzellent, durchschnittliche Antwortzeit im Test 2hKeine Antwort erhalten (2 Wochen)siehe Freeletics Bodyweightsiehe Freeletics BodyweightAntwort nach einem Tag erhaltenSehr schnelle Rückmeldung erhalten (2h)

Ergänzend zu dieser Tabelle sei hier der Hinweis gegeben, dass ich nur Freeletics wirklich ausführlich selbst über lange Zeit betrieben habe. Goliaz und MadBarz habe ich lediglich einige Wochen „angetestet“ und mich anschließend umentschieden.

Im Vergleich mit anderen Systemen kann man sagen, dass KERNWERK den Schwerpunkt auf „digitales personal training“ legt (wie der Slogan der Marke schon sagt). Sie bieten momentan nichts Ernstzunehmendes im Bereich Ernährung an, sondern fokussieren sich voll auf das Thema Training. Wer sich also um die passende Ernährung zum Sport kümmern möchte, muss hier Eigeninitiative zeigen.

Dafür sind sie aber auf dem Gebiet des Trainings den üblichen Verdächtigen, wie Madbarz, Freeletics, Runtastic Results und anderen, um Lichtjahre voraus. Der sogenannte R.E.S.T.-Algorithmus passt jedes Workout nach einer gewissen Zeit so gut an, dass es teilweise schon unheimlich ist. Dadurch ist KERNWERK, was die Qualität der Workouts und damit auch die Ergebnisse und den Fortschritt im Training angeht, die absolute die Nummer 1 unter den Workout-Apps. Das kann man guten Gewissens so sagen und leicht belegen, wenn man ich damit auseinander setzt.

Der Übungsbaum als Killer-Funktion

Eine Funktion ist so innovativ, dass sie meiner Sicht hervorgehoben werden muss: Der Übungsbaum („Scaling-Tree“ genannt). In diesem Baum sind alle Übungen erfasst, die im System vorhanden sind. Der Baum ist in die Bereiche

  • Push Body or Object (Oberkörper-Druckübungen)
  • Pull From Floor (Ganzkörper Zugübungen)
  • Pull to Object (Oberkörper-Zugübungen)
  • Carry & Squat (Unterkörper Zug- und Druckübungen, schwere Lasten Bewegen)
  • Core Work (Rumpftraining)
  • Conditioning (Ausdauer- und Koordinations-Übungen)

Pro Bereich sind Übungen als Baumstruktur aufgelistet. Jede Übung besitzt eine sogenannte „Skalierungs-Übung“. Das ist eine Übung, die die nächst-leichtere Alternative darstellt. Basierend auf den Ästen dieses Baumes wählt der von RAW entwickelte Algorithmus die passende Übung für dich aus.

Beispiel:

Sieht das Workout unter anderem „Handstand Pushups“ für dich vor, prüft RAW Workout welche Übung du aus diesem Ast machen solltest und ob diese Übung für dich freigeschaltet ist. So könnte eine passende Skalierung z.B. sein:

ORIGINAL-ÜBUNG:
Handstand Pushups

Kipping Handstand Pushups

Negativ Handstand Pushups

PASSENDE ÜBUNG:
Pike Pushups from Box

 

Du bekommst also statt den ursprünglich vorgesehenen „Handstand Pushups“ die „Pike Pushups“ für das Workout verordnet. Die Wiederholungen werden entsprechend angepasst. So entsteht im groben dein persönliches Workout.

Bei den Alternativ-Übungen scheint ähnlich vorgegangen zu werden. Hier weiß ich nichts Genaues über einen Algorithmus. Jedoch konnte ich austesten, dass es immer, egal wie viele Equipments ich reduziere, es passende Alternativen zu geben scheint.

Es wird also nicht nur der Schwierigkeitsgrad, sondern auch das Equipment bei der Auswahl der Übung und bei der Berechnung der passenden Wiederholungen berücksichtigt.

RAW Workout Skalierungsbaum

KERNWERK Preise – ist das ernst gemeint?

Bezüglich der Preise hat KERNWERK Anfang dieses Jahres Details veröffentlicht und mit ihrem „Pay what you want“-Modell alle umgehauen: Das Preismodell ist nicht nur sehr günstig, man kann sich sogar aussuchen, was man bezahlen möchte! Ob diese Entscheidung naiv oder doch kalkuliert ist, wage ich nicht zu beurteilen.

Tarife/Kosten/Preise im Detail:

  • Das Abo kostet 5€ pro Monat.
    Freiwillig kann man zwischen 0 und 20 EUR zuzahlen, um die Entwicklung von KERNWERK und die Commnity zu unterstützen. Der Maximalbetrag lieht also bei 25 EUR ingesamt. Man kann aber auch einfach nur bei 5 EUR pro Monat bleiben.
  • Es gibt keine Kündigungsfrist
    (in den AGB ist jedoch ein Hinweis vermerkt, dass man bitte bis zu 24h vor Ablauf kündigen soll weil die Kündigung noch verarbeitet werden muss). Man kann also praktisch jederzeit kündigen.
  • Die Vertragslaufzeit beträgt einen Monat.
    Der Vertrag verlängert sich jeden Monat wiederum um einen Monat. Man muss sich also nicht mehrere Monate oder ein Jahr binden.
  • Nur PayPal, Lastschrift und Kreditkarte
    Man kann nicht über den App-Store, sondern nur via Paypal. Lastschrift und Kreditkarte bezahen.
  • 14 Tage testen
    Es gibt einen kostenlosen Testzeitraum von 14 Tagen. Schließt man während dessen oder danach kein Abo ab, werden ein paar Funktionen gestrichen (z.B. die persönlich angepassten Workouts).

KERNWERK Abo

Dieses Bezahlmodell ist natürlich sehr ungewöhnlich und es bleibt abzuwarten, wie es sich für KERNWERK rechnen wird. Generell ist es aus meiner Sicht eine sehr mutige und lobenswerte Entscheidung, das Abo preislich so anzusetzen, dass es sich jeder leisten kann (und dass jene, die es ich leisten können, freiwillig mehr geben). Das ist auch laut KERNWERK CEO Florian der Hauptaspekt hinter dieser Entscheidung gewesen und dafür verdienen die Jungs aus meiner Sicht eine riesige Portion Lob.

Fazit nach einem Jahr mit KERNWERK: Ist KERNWERK eine Alternative zu Freeletics & Co.?

Vorweg: Ich hatte diesen Update-Artikel bereits angekündigt. Es sei noch einmal angemerkt, dass ich hier mein persönliches Fazit ziehe. Selbst nach einem Jahr ist meine Euphorie ungebrochen und wurde sogar eher bestärkt. Ich mag es eben, wenn man merkt, dass ein Team mit Herzblut arbeitet und dabei noch ein richtig geiles Produkt baut. Mein Fazit von vergangenem Jahr kann daher 1:1 so stehen bleiben:

Zusammenfassend komme ich zu dem Schluss, dass KERNWERK nicht nur eine Alternative zu den verglichenen Programmen darstellt, sondern sogar als Evolution, als Nachfolger, z.B. von Freeletics zu sehen ist.

PRO:
Wie der Testbericht zeigt ist KERNWERK aus rein konzeptioneller und sportlicher Sicht z.B. Freeletics in allen Belangen überlegen.

  • Das Coaching-Team leistet offensichtlich richtig gute Arbeit, denn die täglich neu geplanten Workouts sind unglaublich breit gefächert und abwechslungsreicher, als alles, was ich an Fitness-Apps am Markt gibt.
  • Jedes Workouts sind extrem individuell. Bezogen auf die Leistungsfähigkeit, aber auch bezogen auf die Möglichkeiten (Equipment, Laufen, etc.). Speziell die Möglichkeit, vor jedem einzelnen Training aufs Neue zu entscheiden, welches Equipment man nutzen möchte, ist phänomenal.
  • Die Hinzunahme von Equipment und anderen Möglichkeiten erfolgt stufenlos. Bei Freeletics z.B. muss man sich zwischen den Apps Freeletics Bodyweight und Freeletics Gym Bei KERNWERK ist es jedoch so, dass man vollkommen stufenlos einzelne Equipments hinzunehmen kann.
  • Die Erklärungsvideos sind einfach großartig. Zwar ist der Stil fast ein wenig Amateurhaft, jedoch ist der Inhalt exzellent und die Coaches sind allesamt sympathisch. Zudem handelt es sich um Videos, die in deutscher Sprache gedreht wurden. Eine (meist eher schlechte) Nachsynchronisation ist daher kein Problem. Zu erwähnen ist hier, dass in den letzten Monaten alle Videos komplett gelöscht wurden und nun sukzessive neu gedreht wurden/werden.
  • Sollte man trotzdem einmal Lust auf „fertige“ Workouts a la Freeletics haben, gibt es verschiedene „Benchmark-Workouts“, die immer gleich sind und Freeletics-Charakter besitzen (wenn man von der Tatsache absieht, dass diese Teilweise Equipment voraussetzen). Diese Workouts können auch mittlerweile „richtig“ über die Website oder über die App absolviert werden – daher ist dieser Punkt ebenfalls auf die Pro-Liste gerutscht.
  • Von der Contra-Liste nun auf die Pro-Liste gerutscht: Die neu Entwickelten Apps sehen klasse aus! Das Design ist ungewöhnlich aber wirklich gut. Auch hier sieht man einfach den Drang von KERNWERK, neue Wege zu beschreiten. Die Funktion du Stabilität der Apps ist, bis auf die üblichen Problemchen, ebenfalls gut.

Auch wenn es realistisch gesehen 20 bis 30 Workouts dauert, bis der Algorithmus sich ordentlich eingependelt hat, sprechen wir bezüglich Spaßfaktor, Abwechslung und echter individueller Anpassung nicht nur von einer ganz neuen Liga – wir reden hier eher von einem ganz anderen Sport. Großartig!

Teste KERNWERK einfach mal selber – hier geht es zum Programm

CONTRA:
Wo Licht ist, da ist auch Schatten: Wenngleich sich der Schatten zugunsten des Lichtes im letzten Jahr deutlich verkleinert hat (einige offene Punkte sind von der Contra- auf die Pro-Liste gerutscht). Es gibt jedoch trotzdem aus meiner Sicht noch Verbesserungspotential für KERNWERK:

  • Es gibt noch keinen Ernährungsbereich. Auch wenn es oft heruntergespielt wird, so fände ich es schön, hier etwas von KERNWERK zu sehen.
  • Vollmundig hat KERNWERK ziemlich viele neue Funktionen angekündigt. Hierbei gab es immer wieder verzögerungen, was natürlich immer unschön ist. Zwar muss man diesen Punkt etwas relativieren, da die Entwicklung des Projektes „gefühlt“ in rasendem Tempo von statten geht, jedoch sollte man angekündigte Termine aus meiner Sicht halten. Hier kann das Team sich noch verbessern.
  • Ich würde es zudem begrüßen, wenn ich über den App Store bezahlen könnte. Die Zahlungsarten Kreditkarte, Paypal und Lastschrift werden zwar viele Kunden zufrieden stellen, aber ich gebe meine Bezahldaten lieber nur einmal (dem App Store) heraus.

 

FAZIT: In meinem Langzeittest hat KERNWERK sich als extrem gute, wenn nicht sogar bessere, Alternative zu den gängigen Anbietern dargestellt und als sehr durchdachtes Trainingskonzept und grandiose Flexibilität behauptet. Eine absolute Empfehlung. Die Preisstruktur hat alle überrascht und die Mitbeweber werden es schwer haben, gegen ein Produkt anzukommen, dass gleichzeitig besser und günstiger ist.

Nachwort: Mein noch persönlicheres Fazit

Wie geht’s es weiter mit KERNWERK, MadBarz, Goliaz, Freeletics und Co.? Mein ganz persönliches Fazit, basierend auf 14 Monaten KERNWERK Erfahrung:

Freeletics war unglaublich erfolgreich – und das zu Recht. Freeletics hat sehr viele Leute an die Körpergewichtsübungen gebracht – ähnlich wie es CrossFit mit Langhanteln und Kettlebells gemacht hat. Das ist eine großartige Leistung und verdient ehrliche Anerkennung. Viel zu viele Leute kümmern sich zu wenig um Ihren Körper und betreiben generell zu wenig Sport. Jeder, der da zum Sport bewegt wird, ist ein Gewinn für die Gesellschaft.

Doch wie hat schon Bob Dylan gesungen: „the times they are a changin“. Wer nicht mit der Zeit geht, wird „weg-disruptiert“, wie die hippen Startups heutzutage sagen würden. Es galt bereits in meinem letzten Artikel 2016 und hat sich auch mit den Freeletics-Updates in 2017 nicht verändert: Freeletics hat nun, im Jahre 2017, aus Sicht eines Benutzers seinen Zenit überschritten. Und das meine ich ganz neutral. Es gib mittlerweile einfach ausgefeiltere und schlicht bessere Konzepte, egal ob KERNWERK oder etwas Anderes. Sieht man es aus Sicht des eher mäßigen Supports, aus Sicht des eingestaubten Konzeptes oder aus Sicht einer eher unzufriedenen Community.

Leider tut sich wenig bei Freeletics und das was sich tut, scheint sich nur an Neukunden zu richten. Das hat das Update 4.0 gezeigt, mit dem die Community in meinem Umfeld sehr unzufrieden ist, weil die Workout weichgespült worden sind. Daher komme ich zu dem Schluss, dass Freeletics den Vorsprung, den z.B. KERNWERK (und teilweise auch andere Anbieter) haben, nicht mehr aufholen wird.

Jedes System hat seine Zeit. Und basierend auf meinem Test der letzten 14 Monate steht für mich fest: KERNWERK das System der Zukunft (zumindest der nächsten Jahre). Es hat die Messlatte für Fitness-Apps ein gutes Stück höher gelegt.

Ich habe mir Mühe gegeben, diesen Testbericht trotz alle Euphorie möglichst neutral und objektiv zu halten. Trotzdem sollte jeder sich sein eigenes Bild machen. Da alle Lösungen kostenlose Testversionen bieten, sollte jeder Leser dieses Angebot in Anspruch nehmen und einfach eigene Erfahrungen machen.

Hier geht es zum KERNWERK-Programm!

Kurze Info über mich – Wer bin ich?

Mein Name ist Marko und bin Baujahr 1984. Ich bin als Maschinenbau-Ingenieur tätig, komme ursprünglich aus dem schönen Hamburg und wohne seit drei Jahren im (auch) schönen Rheinland. Ich bin Jahrgang 1984 und daher scheinbar eines der älteren Semester im Internet ;-).

Schon früh habe ich mit dem Turnen angefangen und habe eigentlich schon immer Sport getrieben. Nach dem Turnen habe ich einen kleinen Ausflug in die Leichtathletik gemacht, bis ich dann ab meinem 16. Lebensjahr den Sport zunächst für fast 10 Jahre aufgegeben habe. Mit sechzehn hat man halt andere Dinge im Kopf.  Vor ca. vier Jahren kam ich dann zu Freeletics und kurze Zeit später, sozusagen als Erweiterung, zu CrossFit.

Beides begeistert mich bis heute sehr und bereitet mir große Freude. Nach wie vor bin ich großer Fan beider Konzepte und speziell Freeletics überaus dankbar, mich (wieder) zum Sport gebracht zu haben. Seit gut einem Jahr probiere ich immer mal wieder andere Apps und Konzepte aus. So bin ich vor etwas über 2 Monaten zu KERNWERK gekommen.

Letztendlich hat ein Kommentar hier auf der Website dazu geführt, dass ich von Benjamin gefragt wurde, ob ich einen Erfahrungsbericht schreiben möchte. So lest ihr also nun meinem ersten Erfahrungsbericht (überhaupt) hier auf online-fitnessstudios.com. Ich hoffe, ihr habt Spaß beim Lesen und ihr verzeiht mir als Schreib-Laie die eine oder andere Formulierung :-)

Meine Aktivitäten im sportlichen Bereich könnt ihr in meinem Freeletics-Forum-Profil sowie auf meinem KERNWERK Profil  sehen. Ich freue mich auf regen Austausch mit euch, gerne auch hier in den Kommentaren.

Hast du bereits Erfahrungen zu RAW Workout gemacht? Dann berichte uns davon gerne in den Kommentaren.

4 Kommentare

  1. Ich teile deine Meinung zu 100%. Sehr schöner und ausführlicher Artikel, Hut ab! Da hast du dir wirklich Mühe gegeben.

    Kernwerk ist mega klasse und viel besser als alles, was ich sonst kenne!!

    • Hallo Thomas,
      vielen Dank – ja das war viel Arbeit. Aber das Schreiben macht mir in diesem Fall wirklich sehr viel Freude. Schön, dass du Kernwerk auch so klasse findest :-)

  2. Sehr schöner Artikel über Kernwerk. Du hast allerdings meines Erachtens ein sehr wichtiges Feature vergessen. Man kann bis zu zwei Tage in der Woche für andere Sportarten reservieren. Wenn man das tut, kann man den Algorithmus beauftragen, die Workouts so zusammenzustellen, dass diese Sportart optimal unterstützt wird (je nach Sportart also eher Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit). Ich halte das für einen äußerst großen Pluspunkt, den man so bei keinem anderen Anbieter auf dem Markt findet (es sei denn offlein beim – sehr viel teureren – Personal Training).

    • Ja, das stimmt. Das Feature habe ich nicht aufgenommen, da ich es nicht so stark nutze. Daher ist es mir irgendwie durch die Lappen gegangen. Danke dir für den Tipp.

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